Wie die EU-HTA-Verordnung die Bewertung von Lungenkrebsbehandlungen in Europa verändert
Seit Inkrafttreten der EU-Verordnung zur Bewertung von Gesundheitstechnologien (HTA) hat sich die Art und Weise, wie Lungenkrebsbehandlungen in ganz Europa bewertet werden, grundlegend verändert. Für Lungenkrebs-Organisationen ist dies von großer Bedeutung.
Die EU-HTA-Verordnung schreibt gesetzlich vor, dass Erfahrungen aus der Praxis in den gesamten Bewertungsprozess der Lungenkrebsbehandlung einfließen müssen. Nicht als nachträglicher Einfall, sondern als formeller, vorgeschriebener Beitrag. Dies ist ein bedeutender Fortschritt für die Lungenkrebspolitik in Europa.
Wie sich die EU-HTA-Verordnung auf Entscheidungen zur Behandlung von Lungenkrebs auswirkt
Die EU-HTA-Verordnung sieht zwei wesentliche Verfahren vor, in deren Rahmen Personen mit eigener Erfahrung ihre Sichtweise einbringen können.
Der erste Ansatz sind die „Joint Clinical Assessments“ (JCAs). Im Rahmen dieser Bewertungen werden Erkenntnisse über die tatsächlichen Auswirkungen des Lebens mit Lungenkrebs gesammelt: wie es wirklich ist, welche Behandlungen zur Verfügung stehen und wie gut diese wirken. Eine Koordinierungsgruppe trägt diese Erkenntnisse zusammen und legt einen Bericht vor, der bei Entscheidungen zur Lungenkrebsbehandlung in den EU-Mitgliedstaaten großes Gewicht hat.
Der zweite Weg sind die gemeinsamen wissenschaftlichen Konsultationen (JSCs). Diese finden zu einem früheren Zeitpunkt im Verfahren statt und dienen dazu, Unternehmen hinsichtlich ihrer Daten zu beraten, bevor ein Lungenkrebsmedikament offiziell zur Begutachtung eingereicht wird. Ein Vertreter mit eigener Betroffenheit sitzt gemeinsam mit anderen Ausschussmitgliedern am Tisch, um seine Sichtweise einzubringen.
Beide Prozesse werden über das EU-HTA-Stakeholder-Netzwerk koordiniert, dem Betroffene, Ärzte, Entwickler und Kostenträger angehören.
Was „Lung Cancer Europe“ im Bereich der EU-HTA-Politik unternimmt
Lung Cancer Europe engagiert sich auf zweierlei Weise aktiv.
Zunächst einmal sind wir Mitglied der Arbeitsgruppe, die derzeit die in beiden Verfahren verwendeten technischen Unterlagen überprüft und vereinfacht. Das Feedback von Organisationen und Vertretern ist einheitlich: Die Unterlagen sind komplex und schwer verständlich. Die Arbeitsgruppe geht dieses Problem direkt an; die überarbeiteten Dokumente sollen bis zum Sommer 2026 fertiggestellt sein, woraufhin eine Pilotstudie zur Überprüfung der Verständlichkeit folgen wird.
Zweitens arbeiten wir mit „Cancer Patients Europe“ (CPE) zusammen, der Krebsorganisation, die dafür zuständig ist, bei eingehenden Anfragen Vertreter zu ermitteln und zu benennen, um Vertreter für den Bereich Lungenkrebs vorzuschlagen. Wenn CPE eine Anfrage erhält, kontaktiert sie uns, und wir wenden uns an unsere nationalen Mitgliedsorganisationen. Die Fristen sind knapp bemessen: Es bleiben nur fünf Wochen, um Kandidaten zu finden.
Wie sich Lungenkrebs-Organisationen an der HTA der EU beteiligen können
Dies ist eine echte Chance für die Lungenkrebs-Gemeinschaft, Einfluss auf die Gesundheitspolitik der EU zu nehmen. Es gibt einige konkrete Maßnahmen, die Lungenkrebs-Organisationen bereits jetzt ergreifen können.
Machen Sie sich mit dem HTA-Verfahren der EU vertraut. Informationsmaterialien sind über das Europäische Patientenforum und Cancer Patients Europe erhältlich, ebenso wie Schulungsprogramme wie EUPATI und EUCAPA.
Sprechen Sie mit Ihren Mitgliedern. Einen Pool potenzieller Vertreter bereits im Voraus identifiziert zu haben, macht den entscheidenden Unterschied, wenn eine Anfrage mit einer Frist von fünf Wochen eingeht.
Nehmen Sie Kontakt auf. Wenn Ihre Organisation sich stärker an der EU-HTA-Politik im Bereich Lungenkrebs beteiligen möchte, wenden Sie sich bitte an Chiara Antoniani, Projektleiterin für EU-HTA, unter chiara.antoniani@lungcancereurope.eu.
Lesen Sie das vollständige Policy Briefing, um einen umfassenden Überblick darüber zu erhalten, wie die EU-HTA-Verordnung funktioniert, welche Rolle gemeinsame klinische Bewertungen und gemeinsame wissenschaftliche Konsultationen bei der Bewertung von Lungenkrebsbehandlungen spielen und was Lung Cancer Europe unternimmt, um das Engagement seiner Mitglieder zu fördern.