Wird die familiäre Vorbelastung bei Lungenkrebs zu wenig beachtet?

Eine junge Familie bei einem Spaziergang am Meer. Das Bild dient zur Illustration eines Artikels, in dem darauf hingewiesen wird, dass die familiäre Vorbelastung bei Lungenkrebs möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt wird.

Die familiäre Vorbelastung bei Lungenkrebs muss genauer untersucht werden.

Eine neue multizentrische Studie, die am 26. Februar 2026 in der Fach ze itschrift „Lung Cancer“ veröffentlicht wurde, hat die Familienanamnese bei Patienten untersucht, bei denen nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (NSCLC) diagnostiziert wurde.

Die Familienanamnese wird in der Lungenkrebsversorgung nicht immer eingehend untersucht. Der Schwerpunkt liegt häufig auf der Rauchanamnese und umweltbedingten Risikofaktoren. Diese Studie legt nahe, dass möglicherweise noch weitere Aspekte zu berücksichtigen sind.

Was war Gegenstand der Studie?

Forscher haben ein strukturiertes Verfahren zur Erfassung der Familienanamnese bei Verwandten ersten, zweiten und dritten Grades entwickelt.

Sie haben eine gewichtete Bewertung entwickelt, die folgende Faktoren berücksichtigt:

  • Die Zahl der betroffenen Angehörigen

  • Die Art der diagnostizierten Krebserkrankungen

  • Das Alter zum Zeitpunkt der Diagnose

  • Der Verwandtschaftsgrad

Dieser Ansatz wurde entwickelt, um Personen zu identifizieren, bei denen die Familienanamnese auf ein erhöhtes erblich bedingtes Krebsrisiko hindeuten könnte.

Zu welchen Ergebnissen kam die Studie?

Bei 336 Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC):

  • Bei etwa 16 % wurden erhöhte familiäre Krebsrisiken festgestellt

  • Bei diesen Personen wurde eine Überweisung zur genetischen Beratung sowie die Durchführung einer Keimbahnuntersuchung als angebracht erachtet

Wichtig ist jedoch, dass dies nicht bedeutet, dass Lungenkrebs in der Regel erblich bedingt ist. Die meisten Fälle von Lungenkrebs sind nicht erblich bedingt.

Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass das erbliche Risiko bei einer bestimmten Personengruppe möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt wird.

Warum ist das wichtig?

Zu wissen, ob ein Krebsrisiko vererbt sein könnte, kann helfen:

  • Leitfaden zur Überweisung zur genetischen Beratung

  • Entscheidungen über Keimbahnuntersuchungen fundieren

  • Den Familien klarere Informationen zur Verfügung stellen

  • Verbesserung der personalisierten Versorgung

Die Familienanamnese kann gemeinsame Gene, ein gemeinsames Umfeld oder beides widerspiegeln. Diese Studie liefert keinen Beweis für eine Vererbung. Vielmehr unterstreicht sie, wie wichtig es ist, detailliertere Fragen zu stellen und strukturierte Instrumente zur Unterstützung klinischer Entscheidungen einzusetzen.

Im Zuge der Weiterentwicklung der Präzisionsmedizin muss die Berücksichtigung des erblichen Risikos möglicherweise neben der Tumorprofilierung und der Biomarker-Untersuchung einen gleichwertigen Stellenwert einnehmen.

Was sollten Menschen tun, wenn sie sich Sorgen machen?

Wenn Sie sich wegen einer Krebserkrankung in Ihrer Familie Sorgen machen, sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam. Die genetische Beratung dient dazu, Informationen zu vermitteln und Klarheit zu schaffen. Dabei wird nicht davon ausgegangen, dass der Krebs vererbt ist, sondern es wird geprüft, ob weitere Untersuchungen sinnvoll sein könnten.

Quelle

Citarella F et al.
Erhöhte familiäre Vorbelastung bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs: Eine Querschnitts- und prospektive Studie als Grundlage für die Überweisung zu Keimbahnuntersuchungen.
Lung Cancer. 26. Februar 2026.
Open Access

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