„Wir sind eine Organisation, die etwas bewegt“: Debra Montague eröffnet die erste Konferenz von Lung Cancer Europe

Debra Montague, Präsidentin von Lung Cancer Europe, bei ihrer Rede auf der ersten Lung Cancer Europe-Konferenz in Wien im April 2026.

Debra Montague, Präsidentin von Lung Cancer Europe, bei ihrer Rede auf der ersten Lung Cancer Europe-Konferenz in Wien im April 2026.

Am 22. April 2026 versammelten sich über 140 Mitglieder, Ärzte, Forscher, politische Entscheidungsträger und Menschen mit eigener Erfahrung mit Lungenkrebs in Wien zur ersten „Lung Cancer Europe“-Konferenz.

Zum Auftakt der dreitägigen Veranstaltung hielt Debra Montague, Präsidentin von Lung Cancer Europe, sowohl ihren jährlichen Bericht der Präsidentin als auch eine Grundsatzrede, die den Ton für den weiteren Verlauf der Veranstaltung angab.

Ihre Botschaft war klar: Die Wissenschaft entwickelt sich weiter. Die Systeme halten nicht Schritt. Und diese Lücke kostet Menschenleben.

Willkommen in Wien: Eine Gemeinschaft, die sich engagiert hat

Vor einem vollbesetzten Saal bei der Eröffnungskonferenz begann Debra Montague ihre Rede mit einer Würdigung der Gemeinschaft, die sie leitet.

„Wir haben heute hier Mitglieder, die seit Jahren Teil dieser Gemeinschaft sind und sich jeden Tag für Menschen einsetzen, die in ganz Europa von Lungenkrebs betroffen sind – oft mit sehr geringen Mitteln und ohne nennenswerte Anerkennung“, sagte sie. „Es ist bemerkenswert, mit einer solchen Gruppe von Menschen in einem Raum zu sein. Und ich halte das keine Sekunde lang für selbstverständlich.“

Lung Cancer Europe ist die Stimme der Europäer, die von Lungenkrebs betroffen sind oder einem erhöhten Lungenkrebsrisiko ausgesetzt sind – eine Dachorganisation, die Patientenvertretungsgruppen für Lungenkrebspatienten aus ganz Europa vereint. Die Konferenz, deren Vorbereitung drei Jahre in Anspruch nahm, brachte diese Gemeinschaft zum ersten Mal unter einem Dach zusammen.

Die Zeit, in der wir leben: Fortschritt und seine Grenzen

Debra Montague sprach offen sowohl über die außerordentlichen Fortschritte bei der Behandlung von Lungenkrebs als auch über die systemischen Mängel, die Patienten daran hindern, diese Behandlung in Anspruch zu nehmen.

„Die Behandlungslandschaft bei Lungenkrebs hat sich im letzten Jahrzehnt bis zur Unkenntlichkeit verändert“, erklärte sie den Teilnehmern. „Neue zielgerichtete Therapien. Menschen, die noch Jahre länger leben, als man es vor nicht allzu langer Zeit für möglich gehalten hätte. Dieser Fortschritt ist real, er ist bedeutend, und für die Menschen, die wir vertreten, bedeutet er alles.“

Aber sie machte ebenso deutlich, was zwischen diesem Fortschritt und den Patienten steht.

In europäischen Ländern mit niedrigerem Einkommen müssen die Menschen unter Umständen über 600 Tage auf den Zugang zu bereits vorhandenen Medikamenten warten. Die Lungenkrebsvorsorge – für die es eindeutige wissenschaftliche Belege gibt und von der bekannt ist, dass sie Leben rettet – bleibt für die meisten Menschen in Europa weiterhin unzugänglich. Und auf EU-Ebene geraten hart erkämpfte Verpflichtungen durch Haushaltsverhandlungen unter Druck.

Lungenkrebs ist nach wie vor die häufigste krebsbedingte Todesursache in Europa, mit 484.000 neuen Fällen und 376.000 Todesfällen pro Jahr. „Das muss jedem hier etwas bedeuten“, sagte Montague.

Bericht des Präsidenten 2025–2026: Ein Jahr des Handelns

Zuvor hatte Debra Montague der Generalversammlung den Jahresbericht 2025–2026 der Präsidentin von Lung Cancer Europe vorgelegt – eine ehrliche Bestandsaufnahme darüber, wo die Organisation steht, was sie erreicht hat und in welche Richtung sie sich entwickelt.

Stärker werden

Lung Cancer Europe vertritt mittlerweile Mitgliedsorganisationen aus mehr als 27 Ländern der Europäischen Region der WHO. Im Jahr 2025 startete die Organisation ihr Mitgliederforum – mit 20 ausführlichen Interviews, die mit Mitgliedsorganisationen aus ganz Europa geführt wurden – und veranstaltete im September 2025 in Budapest ihre bislang größte Mitgliederversammlung.

Die Mitgliederzahl wächst nicht nur, sie vertieft sich auch.

Evidenz, die Veränderungen vorantreibt

Die Jahresberichte der Organisation gehören nach wie vor zu ihren wirkungsvollsten Instrumenten der Interessenvertretung.

Der 10. „Lung Cancer Europe Report“ – die bislang weltweit größte Umfrage unter Lungenkrebspatienten, an der 2.204 Menschen aus 31 Ländern teilnahmen – befasste sich mit dem Thema psychische Gesundheit. Die Ergebnisse waren erschreckend: weit verbreitete psychische Belastungen, Ängste und Isolation sowie die Tatsache, dass viele Patienten während ihrer gesamten Lungenkrebserkrankung keinerlei psychologische Unterstützung erhielten. Der Bericht wurde auf der ESMO 2025 in Berlin vorgestellt und in 17 Sprachen übersetzt.

Der 11. Bericht, der auf der ELCC 2026 in Kopenhagen vorgestellt wurde, ging noch einen Schritt weiter – er untersuchte Ungleichheiten beim Zugang zu psychologischer Unterstützung in ganz Europa und enthielt erstmals eine eigene Analyse zum kleinzelligen Lungenkrebs. Die Ergebnisse stimmten mit denen des 10. Berichts überein: Emotionales Wohlbefinden ist kein Luxus. Es ist Teil der Versorgung.

Die Arbeiten am 12. Bericht sind bereits im Gange. Im Mittelpunkt steht dabei das Thema „Überleben“ – es wird untersucht, was es bedeutet, mit Lungenkrebs länger zu leben, und welche Herausforderungen damit verbunden sind.

Dem kleinzelligen Lungenkrebs eine Stimme geben

Einer der wichtigsten Schwerpunkte in diesem Jahr war das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC) – eine Patientengruppe, die Debra Montague als „seit zu langer Zeit im Schatten anderer Krebsarten stehend“ bezeichnete.

Die im 11. Bericht enthaltene spezielle SCLC-Analyse ergab, dass fast zwei Drittel der Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs die Auswirkungen ihrer Diagnose auf ihre psychische Gesundheit als negativ bewerteten – schlechter als der Durchschnitt bei Lungenkrebs insgesamt. 59 % wurde niemals psychologische Unterstützung angeboten. Nicht ein einziges Mal.

In Zusammenarbeit mit der Mitgliedsorganisation „Longkanker Nederland“ und im Rahmen einer europaweiten Umfrage in mehr als 20 Ländern hat „Lung Cancer Europe“ das bislang umfassendste patientenzentrierte Bild des Krankheitsverlaufs bei kleinzelligem Lungenkrebs (SCLC) erstellt. Kurz vor der Konferenz wurden diese Erkenntnisse einem Beirat aus Klinikern, Forschern und Partnern aus der Industrie vorgelegt – mit dem ausdrücklichen Ziel, die Ergebnisse in konkrete Maßnahmen umzusetzen.

„Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs haben lange genug gewartet“, schrieb Debra in dem Bericht. „Das ist ihr Jahr.“

Praktische Maßnahmen: FAST-NGS, der Access Atlas und LuCEGPT

In dem Bericht wurden drei Vorzeigeinitiativen hervorgehoben, die das Engagement von Lung Cancer Europe verdeutlichen, politische Forderungen in konkrete Veränderungen umzusetzen.

FAST-NGS ist ein Pilotprogramm, das die Next-Generation-Sequenzierung direkt in Krankenhäuser bringt und die Dauer von Biomarker-Tests von mehreren Wochen auf 24 bis 48 Stunden verkürzt. Der erste Pilotstandort ist das Metaxa Cancer Hospital in Piräus, Griechenland, das mit Thermo Fisher Scientific zusammenarbeitet. Nur wenige Tage vor der Konferenz besuchte das Team von Lung Cancer Europe gemeinsam mit dem Team von Thermo Fisher Scientific das Metaxa Cancer Hospital, um die nächsten Schritte voranzutreiben. Bei Erfolg soll das Modell auf weitere Länder ausgeweitet werden.

Der „Access to Treatment Atlas“ kartiert die Verfügbarkeit von Behandlungen und deren Kostenerstattung in 30 europäischen Ländern – eine aktuelle Faktengrundlage für die Interessenvertretung in den Bereichen Behandlungszugang, Biomarker-Tests und Lungenkrebs-Früherkennung. Ein erweiterter „Atlas II“ befindet sich derzeit in Entwicklung.

LuCEGPT ist wohl die zukunftsweisendste Initiative: ein patientenorientierter KI-Chatbot, der auf dem Fachwissen und den Werten von Lung Cancer Europe basiert. Da sich Menschen bereits in ihren schwächsten Momenten an kommerzielle Chatbots wenden, um Informationen zu erhalten – und dabei unzuverlässige Antworten erhalten –, wird LuCEGPT als vertrauenswürdige, leicht zugängliche Alternative entwickelt. Version 1 befindet sich derzeit in der Entwicklung, wobei die Anregungen von Patienten, Ärzten und Psychologen von Anfang an in das Konzept einfließen.

„Das ist KI im Dienste der Menschen“, sagte Debra. „Nicht umgekehrt.“

Kommunikation und Reichweite

Die digitale Präsenz der Organisation hat im Jahr 2025 einen enormen Zuwachs verzeichnet. Die Zahl der LinkedIn-Follower stieg innerhalb eines Jahres von 2.999 auf über 9.500. Die Mailingliste verfünffachte sich. Lung Cancer Europe erreicht mittlerweile über seine digitalen Kanäle monatlich mehr als 300.000 Menschen.

Eine neue mehrsprachige Nachrichtenplattform, die durch KI-gestützte Übersetzungen unterstützt wird, macht vertrauenswürdige Informationen zum Thema Lungenkrebs sprachübergreifend zugänglich – denn, wie Debra es formulierte: „Niemand sollte aufgrund der Sprache, die er spricht, auf die Informationen verzichten müssen, die er benötigt.“

Strategie: Grundlagen schaffen und nutzen

Im November 2025 war Lung Cancer Europe Mitveranstalter einer hochrangigen „Call to Action“-Veranstaltung im Europäischen Parlament, an der politische Entscheidungsträger der EU, Ärzte und Patientenvertreter teilnahmen. Dieser „Call to Action“ wurde seitdem von Cancer Patients Europe, dem Lung Cancer Policy Network, der European Health Management Association und MSD unterstützt.

Die Stellungnahme der Organisation zur WHO-Resolution zur Lungengesundheit wurde vom malaysischen Gesundheitsminister geteilt und auf LinkedIn über 14.000 Mal aufgerufen.

Mit Blick auf die Zukunft formulierte Debra die Prioritäten ganz klar: die Einhaltung der Verpflichtungen im Rahmen des europäischen Plans zur Krebsbekämpfung, die Aufrechterhaltung der Finanzierung groß angelegter Vorsorgeprogramme und die Weiterentwicklung der WHO-Resolution zur Lungengesundheit. „Das sind keine abstrakten Standpunkte“, schrieb sie. „Sie entscheiden darüber, ob Menschen frühzeitig oder erst viel zu spät diagnostiziert werden.“

Wozu diese Tage da sind

In ihrer Eröffnungsrede erläuterte Debra das Ziel von „Wien 2026“ – nicht nur zu informieren, sondern wirklich nützlich zu sein.

Am ersten Tag kamen führende Vertreter der europäischen Lungenkrebs-Politik und -Versorgung zusammen. Zu den Hauptrednern gehörten Hugo Soares zum Thema „Aufbau nationaler Krebs-Mission-Hubs“, Dr. Mary Bussell zum Thema „Vom Konsens zum Handeln“, Elisabetta Zanon von der European Cancer Organisation zum Thema „Europas Plan zur Krebsbekämpfung“, der Europaabgeordnete Nikos Papandreou zum Thema „Wie Europa den Patienten helfen kann“ sowie Cecilia Pompili zum Thema „Eine wirklich patientenorientierte Versorgung“.

Am zweiten Tag werden wir tiefer in die Materie einsteigen und uns mit KI und Daten in der Lungenkrebsversorgung, personalisierter Behandlung, föderierten Daten für die Interessenvertretung, gemeinsamer Entscheidungsfindung und klinischen Studien befassen. Am dritten Tag kommen die Mitgliedsorganisationen zusammen, um sich untereinander auszutauschen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln.

„Ich möchte, dass jeder etwas mitnimmt, das er zu Hause umsetzen kann“, sagte Debra zu den Teilnehmern.

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