Von den ersten Anzeichen und Symptomen bis hin zur Diagnose, Behandlung, Betreuung und Nachsorge sollte der Behandlungsablauf bei Lungenkrebs zeitnah, klar und auf den Patienten zugeschnitten sein.
Der siebte Bericht von „Lung Cancer Europe“ untersuchte, wie Menschen mit einer Lungenkrebsdiagnose die einzelnen Phasen der Versorgung in ganz Europa erlebten. Dabei wurden Verzögerungen, Kommunikation, Behandlungsentscheidungen, der Zugang zu Unterstützung sowie die Vorschläge der Betroffenen zur Verbesserung ihrer Versorgung beleuchtet.
Zwischen Mai und Juli 2022 nahmen 991 Personen aus 25 Ländern der Europäischen Region der WHO, bei denen Lungenkrebs diagnostiziert worden war, an der Umfrage teil. Der Bericht enthält zudem Fallstudien, die auf den Antworten von 24 Lungenkrebsexperten aus den Niederlanden und Rumänien basieren.
991 Personen
haben die europaweite Umfrage zwischen Mai und Juli 2022 ausgefüllt
25 Länder
in der Europäischen Region der WHO vertreten
85,3 % der Menschen
Diejenigen, die die aktive Behandlung abgeschlossen hatten, gaben an
, dass ihnen Informationen oder Unterstützung gefehlt hätten.
Was in dem Bericht untersucht wurde
Diagnose
Die Zeitspanne zwischen dem Auftreten der ersten Symptome, der Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe, der Überweisung an einen Lungenfacharzt, der Diagnose und dem Beginn der Behandlung.
Behandlung
Wie Behandlungsentscheidungen getroffen wurden, ob die Betroffenen klare Informationen erhielten und die Einwilligung nach Aufklärung verstanden haben sowie welche Schwierigkeiten während der Operation, der Strahlentherapie und der medikamentösen Behandlung auftraten.
Unterstützung und Nachbetreuung
Ob körperliche, emotionale und soziale Bedürfnisse berücksichtigt wurden, der Zugang zu unterstützenden Dienstleistungen, die Kommunikation mit den medizinischen Teams und die Informationen, die die Betroffenen nach der aktiven Behandlung erhielten.
Verbesserung des Versorgungspfads
Die Aussagen der Befragten könnten dazu beitragen, dass Diagnose, Behandlung und Nachsorge schneller, übersichtlicher und einfacher zu bewältigen sind.
Wichtigste Ergebnisse
An mehreren Stellen im Behandlungsablauf bei Lungenkrebs kam es häufig zu Verzögerungen.
Vier von zehn Betroffenen warteten mehr als einen Monat nach dem ersten Auftreten der Symptome, bevor sie einen Arzt aufsuchten. Mehr als vier von zehn begannen nicht innerhalb eines Monats nach der Diagnose mit der Behandlung.
Die Befragten wünschten sich zudem einen klareren Diagnoseprozess. Mehr als acht von zehn sprachen sich für Schnellverfahren zur Verkürzung der Wartezeiten aus, fast drei Viertel wünschten sich einen festen Ansprechpartner im Gesundheitswesen, den sie direkt kontaktieren können, und 72,1 % wünschten sich einen klaren Leitfaden, der den Diagnoseprozess erläutert.
Informationen und Behandlungsentscheidungen
Nur 52,7 % gaben an, dass sie vor der Unterzeichnung einer Einverständniserklärung alle erforderlichen Informationen erhalten und verstanden hätten.
Bei der Entscheidung über die Behandlung wünschten sich die Menschen insbesondere klare Informationen zu folgenden Punkten:
die verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten
die Vor- und Nachteile der einzelnen Optionen
mögliche Nebenwirkungen
mögliche Risiken
Betreuung nach der Behandlung
Mehr als jeder Dritte gab an, dass sein allgemeiner Unterstützungsbedarf nicht ausreichend berücksichtigt worden sei, wobei emotionale Bedürfnisse am häufigsten vernachlässigt wurden.
Von den Personen, die ihre aktive Behandlung abgeschlossen hatten, gaben 85,3 % an, dass ihnen Informationen oder Unterstützung gefehlt hätten. Dazu gehörten Informationen über Anzeichen für ein mögliches Wiederauftreten des Krebses sowie Hilfe beim Umgang mit den langfristigen Folgen von Lungenkrebs und dessen Behandlung.
Was „Lung Cancer Europe“ gefordert hat
Schnellere Diagnose und Behandlung
Schnelle Überweisungswege einführen, die die Zeitspanne zwischen dem Verdacht auf Lungenkrebs, der Diagnose und dem Beginn der Behandlung verkürzen.
Frühere Erkennung
Ausbau gezielter Lungenkrebs-Früherkennungsprogramme und Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Früherkennung in ganz Europa.
Klarere Informationen
Stellen Sie umfassende und verständliche Informationen über Lungenkrebs, Behandlungsmöglichkeiten, Nebenwirkungen und Risiken bereit.
Bessere Unterstützung während der gesamten Behandlung
Stellen Sie sicher, dass die Betroffenen über die Informationen, die praktische Unterstützung und die emotionale Unterstützung verfügen, die sie benötigen, um an Entscheidungen mitzuwirken und mit den Auswirkungen der Behandlung umzugehen.
Die Orientierung im Versorgungspfad vereinfachen
Es wurden Herausforderungen im Versorgungspfad sowie die Präferenzen von Menschen mit Lungenkrebs in Europa dokumentiert, wobei aufgezeigt wurde, wo es entlang des gesamten Versorgungspfads zu Verzögerungen, Kommunikationslücken und ungedecktem Unterstützungsbedarf kam.
Die Ergebnisse zeigten, dass eine schnellere Überweisung und Diagnose, klarere Informationen, eine bessere Unterstützung nach der Behandlung sowie eine Betreuung erforderlich sind, die es den Betroffenen ermöglicht, aktiv an Entscheidungen über ihre Gesundheit mitzuwirken.
Früherkennung und Vorsorgeuntersuchungen bei Lungenkrebs in Europa – 4. Bericht „Lung Cancer Europe“