Keine Zeit zu verlieren: Integrierte Schnellüberweisungswege bei Lungenkrebs

Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens geht einen leeren Krankenhausflur entlang

In ganz Europa warten zu viele Menschen zu lange, bis aus einem Verdacht auf Lungenkrebs eine Diagnose und Behandlung wird.

Verzögerungen können in jeder Phase auftreten, von der Erstkonsultation und Überweisung über die fachärztliche Beurteilung und diagnostische Untersuchungen bis hin zum Beginn der Behandlung. Die neue Stellungnahme von Lung Cancer Europe, „Keine Zeit zu verlieren: Integrierte schnelle Überweisungswege bei Lungenkrebs“, fordert, dass jeder EU-Mitgliedstaat über einen koordinierten schnellen Überweisungsweg verfügt, der die primäre, sekundäre und tertiäre Versorgung miteinander verbindet.

Das Ausmaß des Problems

Befunde aus ganz Europa zeigen erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Geschwindigkeit, mit der Patienten die verschiedenen Phasen der Lungenkrebsbehandlung durchlaufen.

In Spanien warteten die Betroffenen vom ersten Auftreten der Symptome bis zum Eintritt in den Lungenkrebs-Behandlungspfad im Median 69 Tage. In den Niederlanden erhielten nur 66 % innerhalb von fünf Wochen eine endgültige Diagnose. In Bulgarien variierten die Wartezeiten zwischen Diagnose und Behandlung je nach Therapieform und Standort erheblich, während im Vereinigten Königreich die durchschnittlichen Wartezeiten bis zur Operation zwischen 83 und 97 Tagen lagen.

Die eigenen Untersuchungen von Lung Cancer Europe haben ähnliche Probleme aufgezeigt. In unserer Umfrage aus dem Jahr 2022 gab mehr als ein Viertel der Befragten an, dass zwischen der ersten ärztlichen Konsultation und dem Termin bei einem Lungenfacharzt mehr als ein Monat verging, während 43,2 % nicht innerhalb eines Monats nach der Diagnose mit der Behandlung begannen.

Diese Verzögerungen können ein Fortschreiten der Erkrankung, weniger Behandlungsmöglichkeiten und schlechtere Behandlungsergebnisse zur Folge haben.

Schnellere Wege können funktionieren

Es gibt zudem Hinweise darauf, dass sich Verzögerungen verringern lassen, wenn man die Art und Weise ändert, wie sich die Menschen durch das System bewegen.

Maßnahmen zur schnellen Überweisung haben in mehreren europäischen Ländern bereits zu Ergebnissen geführt:

  • In Irland verkürzte sich die Wartezeit bis zum ersten Termin von 43,5 Tagen auf 21 Tage.

  • In Norwegen sank der Anteil der Patienten, bei denen metastasierender Lungenkrebs diagnostiziert wurde, von 52 % auf 45 %.

  • In Dänemark verkürzte sich die Zeitspanne zwischen der ersten Überweisung und dem Behandlungsbeginn von 56 Tagen auf 42 Tage.

  • In Manchester im Vereinigten Königreich hat das RAPID-Programm den Anteil der Personen mit Verdacht auf Lungenkrebs, die innerhalb von drei Tagen, sieben Tagen und zwei Wochen ihre erste CT-Untersuchung erhielten, deutlich erhöht.

Was ist ein integrierter Schnellüberweisungsweg?

Ein integriertes Schnellüberweisungsverfahren soll Menschen mit Verdacht auf Lungenkrebs dabei helfen, den Prozess von der Abklärung über die Diagnose bis hin zur Behandlung so schnell und effizient wie möglich zu durchlaufen.

Dazu können vorrangige Überweisungen aus der Primärversorgung, spezialisierte Fachkliniken, schneller Zugang zu bildgebenden Verfahren und diagnostischen Untersuchungen, klare Wartezeitvorgaben, die Koordination zwischen verschiedenen Bereichen des Gesundheitssystems sowie elektronische Systeme gehören, die den Fortschritt entlang des Behandlungswegs nachverfolgen.

Was „Lung Cancer Europe“ fordert

Die Stellungnahme, die unter der Leitung von Michaela Regan, Managerin für EU-Politik und Engagement bei Lung Cancer Europe, verfasst wurde, enthält fünf Empfehlungen:

1. Hausärzte von Anfang an einbeziehen
Hausärzte sollten in die Konzeption und Umsetzung von Überweisungswegen für dringende Fälle einbezogen werden und über die erforderlichen Schulungen, Hilfsmittel und Ressourcen verfügen, um Personen mit Verdacht auf Lungenkrebs schnell zu erkennen und zu überweisen.

2. Einrichtung von speziellen Schnellversorgungskliniken
Die Gesundheitssysteme sollten spezielle Überweisungswege mit schnellem Zugang zu multidisziplinären Fachärzten, bildgebenden Verfahren, Bronchoskopie, Pathologie, molekularen Untersuchungen und Behandlungen bereitstellen.

3. Einführung von Lungenkrebs-Früherkennungsuntersuchungen in ganz Europa
Alle EU-Mitgliedstaaten sollten den in Frage kommenden Hochrisikogruppen einen gleichberechtigten Zugang zu Niedrigdosis-CT-Untersuchungen gewährleisten.

4. Einbeziehung patientenberichteter Ergebnisse in den gesamten Behandlungsverlauf
Informationen zu Symptomen, Lebensqualität, Funktionsstatus und Unterstützungsbedarf sollten routinemäßig erfasst und als Teil der Versorgung genutzt werden.

5. Verbesserung der Dateninfrastruktur und der Qualitätsüberwachung
Die Länder sollten Wartezeiten überwachen und öffentlich darüber berichten, Engpässe identifizieren und Daten zu Behandlungsabläufen nutzen, um den Personalbedarf und die Diagnosekapazitäten zu planen.

Die Gesundheitssysteme in Europa unterscheiden sich voneinander, daher werden schnelle Überweisungswege nicht in jedem Land gleich aussehen. Das Prinzip ist jedoch dasselbe: Menschen mit Verdacht auf Lungenkrebs sollten keine vermeidbaren Verzögerungen hinnehmen müssen, weil verschiedene Teile des Gesundheitssystems nicht ausreichend miteinander vernetzt sind.

Lesen Sie die vollständige Stellungnahme von Lung Cancer Europe: „Keine Zeit zu verlieren: Integrierte Schnellüberweisungswege bei Lungenkrebs“.

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