Lungenkrebs-Früherkennung in Europa: Wie können wir einen gerechten Zugang gewährleisten?

Europa treibt die Lungenkrebsvorsorge voran.

Immer mehr Länder gehen von Pilotprogrammen zur vollständigen Umsetzung über. Ein neuer Bericht des Lung Cancer Policy Network untersucht, welche Erkenntnisse die Vorreiter gewonnen haben und was geschehen muss, damit die Vorsorgeuntersuchungen die Menschen erreichen, die am ehesten davon profitieren können.

Darüber hinaus blickt der Bericht über einzelne Vorsorgeprogramme hinaus auf die für deren Umsetzung erforderlichen Voraussetzungen, darunter politisches Engagement, nachhaltige Finanzierung und Flexibilität bei der Anpassung an unterschiedliche Gesundheitssysteme. Es gibt kein einheitliches Modell, das überall funktioniert, doch können Länder von jenen lernen, die bereits den Schritt von Pilotprojekten hin zur landesweiten Umsetzung vollziehen.

Lung Cancer Europe ist Mitglied des Lung Cancer Policy Network, eines globalen, interdisziplinären Netzwerks, das Ärzte, Forscher, Patientenorganisationen und andere Akteure im Bereich Lungenkrebs zusammenbringt. Seine Arbeit ist evidenzbasiert, werbefrei und wird von seinen Mitgliedern geprägt.

Unsere Managerin für EU-Politik und -Engagement, Michaela Regan, hat mit ihrem Fachwissen zu dem Bericht beigetragen, in dem auch auf die „Lung Cancer Europe Charter“ Bezug genommen wird.

„Förderung der Lungenkrebsvorsorge: Lehren aus der Umsetzung in Europa“ konzentriert sich auf vier praktische Bereiche: Erreichen der Personen mit dem höchsten Risiko, Abbau von Hindernissen für die Teilnahme, Einbindung von Unterstützung bei der Raucherentwöhnung und Sicherstellung, dass die Gesundheitssysteme die Vorsorgeuntersuchungen in großem Maßstab durchführen können.

Warum ist die Lungenkrebsvorsorge wichtig?

Lungenkrebs wird nach wie vor häufig erst in einem späteren Stadium diagnostiziert, in dem die Behandlungsmöglichkeiten bereits eingeschränkter sein können.

Das Screening zielt darauf ab, Lungenkrebs bei Personen mit erhöhtem Risiko zu erkennen, bevor Symptome auftreten. Dabei kommt die Niedrigdosis-Computertomographie zum Einsatz, die üblicherweise als LDCT bezeichnet wird.

Es gibt Belege dafür, dass LDCT-Screenings die Zahl der Todesfälle durch Lungenkrebs bei Personen mit erhöhtem Risiko senken können. Der 9. Bericht von „Lung Cancer Europe“ beschreibt Screenings als eine der wichtigsten Maßnahmen zur Förderung einer frühzeitigeren Diagnose.

Zu zeigen, dass Vorsorgeuntersuchungen wirken, ist jedoch nur ein Teil der Aufgabe.

Die Länder müssen außerdem entscheiden, wer eingeladen werden soll, wie die Menschen erreicht werden, wie einfach die Teilnahme ist und was geschieht, wenn bei einer Untersuchung etwas festgestellt wird, das einer weiteren Abklärung bedarf.

Wem sollte eine Lungenkrebsvorsorgeuntersuchung angeboten werden?

Eine der ersten Herausforderungen besteht darin, die Personen zu ermitteln, die am ehesten davon profitieren werden.

Alter und Rauchverhalten werden üblicherweise herangezogen, um zu entscheiden, wer für eine Behandlung in Frage kommt. Der neue Bericht empfiehlt, noch einen Schritt weiter zu gehen und multivariable Risikomodelle zu berücksichtigen, die mehrere Faktoren zur Abschätzung des individuellen Risikos heranziehen.

Dies kann den Programmen dabei helfen, Personen mit erhöhtem Risiko genauer zu identifizieren und Ungleichheiten bei der Auswahl der für Vorsorgeuntersuchungen in Frage kommenden Personen zu verringern.

Was hält Menschen davon ab, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen?

Die Eignung für eine Vorsorgeuntersuchung bedeutet nicht, dass jemand auch daran teilnehmen wird.

Die Art und Weise, wie Menschen eingeladen werden, die Informationen, die sie erhalten, wo Vorsorgeuntersuchungen angeboten werden und wie einfach es ist, Termine wahrzunehmen – all dies kann die Teilnahme beeinflussen.

Der Bericht empfiehlt organisierte, bevölkerungsbezogene Einladungen sowie gezieltere Maßnahmen zur Einbindung von Gruppen, die andernfalls möglicherweise nicht ausreichend erreicht würden.

Dies ist besonders wichtig, da Vorsorgeprogramme Ungleichheiten verringern und nicht vergrößern sollten.

Warum sollte die Unterstützung bei der Raucherentwöhnung einbezogen werden?

Der Bericht empfiehlt außerdem, die Unterstützung bei der Raucherentwöhnung in die Vorsorgeabläufe zu integrieren.

Vorsorgeuntersuchungen und Raucherentwöhnung verfolgen unterschiedliche Ziele.

Durch Vorsorgeuntersuchungen soll Lungenkrebs frühzeitig erkannt werden. Der Verzicht auf das Rauchen senkt das zukünftige Risiko für Lungenkrebs und viele andere Erkrankungen.

Das Angebot von Unterstützung bei der Raucherentwöhnung in Verbindung mit Vorsorgeuntersuchungen kann den gesundheitlichen Gesamtnutzen des Programms steigern und die Kosteneffizienz verbessern.

Können die Gesundheitssysteme Vorsorgeuntersuchungen in großem Umfang unterstützen?

Ein Vorsorgeprogramm darf nicht schon nach der Untersuchung enden.

Gesundheitssysteme benötigen klare Abläufe für den Umgang mit Lungenknoten und anderen Befunden, ausreichende Diagnosekapazitäten für Menschen, die weitere Untersuchungen benötigen, geeignete digitale Systeme und eine solide Qualitätssicherung.

Außerdem muss weiter im Behandlungsverlauf ausreichend Kapazität vorhanden sein, damit die Patienten nach einem auffälligen Befund zügig zur Diagnose und, falls erforderlich, zur Behandlung gelangen können.

In dem neuen Bericht wird argumentiert, dass Vorsorgeuntersuchungen daher von Anfang an angemessen in die Gesundheitssysteme integriert werden müssen.

Wie viel wissen die Menschen über die Lungenkrebsvorsorge?

Der Zugang ist nur ein Teil des Problems. Auch das Bewusstsein dafür ist nach wie vor gering.

Im Rahmen des 9. Berichts von „Lung Cancer Europe“ zum Thema Lungenkrebs wurden mehr als 2.000 von Lungenkrebs betroffene Menschen in ganz Europa befragt.

Nur 40,6 % konnten richtig angeben, was eine Lungenkrebsvorsorgeuntersuchung ist.

Fast 45 % wussten nicht, ob es in ihrem eigenen Land ein Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm gibt.

Der Bericht ergab außerdem, dass 27,4 % der Befragten der Meinung waren, die Lungenkrebsvorsorge sei für Menschen gedacht, die bereits Symptome zeigten.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Das Screening richtet sich an Personen mit erhöhtem Risiko, die keine Symptome aufweisen. Wer mögliche Symptome von Lungenkrebs hat, benötigt eine diagnostische Abklärung und kein Screening.

Warum ein gerechter Zugang zur Lungenkrebsvorsorge wichtig ist

Die Länder in ganz Europa befinden sich bei der Einführung von Lungenkrebs-Früherkennungsprogrammen in unterschiedlichen Phasen, und der Zugang ist nach wie vor uneinheitlich.

Dem Bericht zufolge haben sich nur sechs Länder offiziell zu nationalen Lungenkrebs-Früherkennungsprogrammen verpflichtet, vier weitere befinden sich in der Einführungsphase. England und Kroatien gehören zu den Ländern, die am weitesten fortgeschritten sind, während sich mehrere Länder, darunter Frankreich, Italien, Tschechien und Rumänien, noch in der Pilotphase befinden.

Für „Lung Cancer Europe“ ist der rechtzeitige und gerechte Zugang zu Vorsorgeuntersuchungen eine klare politische Priorität.

Unsere Charta für den Zeitraum 2026–2030 fordert einen zeitnahen Zugang zu evidenzbasierten Vorsorge- und Früherkennungsprogrammen, damit Krebserkrankungen so früh wie möglich erkannt werden. Zu unseren übergeordneten politischen Prioritäten gehört zudem, dass Vorsorgeprogramme ausgebaut und Ungleichheiten bei den Behandlungsergebnissen bei Lungenkrebs in ganz Europa abgebaut werden.

Da immer mehr Länder die Umsetzung vorantreiben, werden die praktischen Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, Einfluss darauf haben, wer erreicht wird und wer davon profitiert.

Die in diesem neuen Bericht zusammengetragenen Erfahrungen liefern politischen Entscheidungsträgern, Fachkräften im Gesundheitswesen und Interessenvertretern nützliche Erkenntnisse darüber, wie Vorsorgeuntersuchungen in verschiedenen Gesundheitssystemen fair und effektiv durchgeführt werden können.

Quelle: Lung Cancer Policy Network. Förderung der Lungenkrebsvorsorge: Erkenntnisse aus der Umsetzung in Europa. Veröffentlicht am 25. August 2026.

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